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Weihnachtsstand der WFB
auf dem Sternschnuppenmarkt

“Ministerpäsident Roland Koch hat auch schon einen, einen der kleinen roten Elche mit Kerzenleuchter, hergestellt in der Werkstatt für behinderte Menschen Wiesbaden und Rheingau-Taunus”, so berichtete das Wiesbadener Tagblatt im Dezember 2006 über den Stand des Lions-Club Drei Lilien auf dem Wiesbadener Sternschnuppenmarkt.

Im Jahr 2002 entwickelte Wiesbaden im wahrsten Sinne des Wortes eine glänzende, eine leuchtende Idee – den Wiesbadener Sternschnuppenmarkt. Und unter der Ägide unseres damaligen Präsidenten, LF Uli Pieper, waren wir uns schnell einig: auf diesem Markt wollen wir mit einem eigenen Stand präsent sein, um unsere Activity – Kasse zu füllen.

Die Gespräche mit der Stadt waren erfolgreich, wir erhielten als einziger Serviceclub eine der begehrten Lizenzen.

Die Standgebühr für die ersten fünf Jahre wurde entrichtet, das Innenleben des Standes nebst Beleuch-tung wurde von handwerklich begabten Mitgliedern eingerichtet und dann strahlte unser Stand von Ende November bis Heiligabend gespickt mit fröhlichen Nikolauspuppen in groß und klein und mit  buntem Weihnachtsschmuck fernöstlicher Provenienz. Natür-lich wurden auch die Bücher unserer Lionsfreunde Georg Schmidt–von Rhein und Hans Bossung ausgelegt und als besonderes Schmankerl wurde von LF Hans Bossung der erste Wiesbadener Weihnachtsteller entworfen, der von Beginn an seine Liebhaber fand.

Schichtweise waren wir Lions und unsere Damen vier Wochen lang verkäuferisch engagiert. Die unterschiedlichsten Verkaufstaktiken kamen zum Einsatz - jeder wollte, jeder hatte Erfolg.

Nach dem viel versprechenden Aufgalopp ging es dann allerdings langsam bergab. Ein schleichender Unmut über die fernöstliche Form- und Farbgebung des Weihnachtsschmucks ließ das Engagement mit der Zeit mehr und mehr zur ungeliebten Pflicht werden. Es endete damit, dass wir im vierten Jahr nicht mehr selbst verkauften, sondern eine Kooperation mit einem professionellen Händler eingingen, mit der Folge, dass das Angebot noch bunter und schriller wurde und der innere Abstand der Lions zu „ihrem“ Stand eine kritische Größe erreichte.

Mit dieser misslichen Situation konfrontiert, war mir als künftigem Präsident nur allzu bewusst, dass sich etwas ändern musste, wenn wir unseren Stand und vor allem das damit verbundene Engagement beibehalten wollten. Eine Idee also musste her, ein Lösungsansatz musste gefunden werden…aber was tun?

Wie in jedem Jahr fuhr ich um den Jahreswechsel herum mit meiner Familie in die Berge zum Skilaufen und Wandern. Offensichtlich wirkte die kalte und klare Luft anregend. Auf einer meiner Spaziergänge im Schnee erinnerte ich mich daran, dass das Unterneh-men, in dem ich den überwiegenden Teil meines Berufslebens tätig war, zwei- oder dreimal  den Mitarbeitern zu Weihnachten aus Holz gefertigte Spiele der Behindertenwerkstatt Preungesheim schenkte.

Das also könnte es sein: wir verkaufen künftig auf dem Sternschnuppenmarkt nicht mehr Produkte aus FarEast, sondern solche die in der Werkstatt für Behinderte hergestellt werden.
Gedacht, getan… wieder zurück in Wiesbaden ging es darum, zusammen mit LF Alexander Golnik, dem Activity-Beauftragten in meinem Präsidentenjahr, diese Idee in ersten Gesprächen zu verproben. Der einsetzende Gedankenaustausch mit dem damaligen Geschäftsführer der WfB, Herrn Ringes, zu dem alsbald der heutige „Chef“, Herr Dr. Dreher, hinzugezogen wurde, war vom ersten Moment an sehr konstruktiv und die angedachte Partnerschaft erschien allen Erfolg versprechend. So kamen wir auch sehr schnell zu dem Ergebnis, den grob skizzierten Weg gemeinsam zu verfolgen.

Vorstand und Mitgliederversammlung stimmten der vorgelegten Grobkonzeption zu. Diese beinhaltete folgende, bis heute gültige Kernaussage: Wir spenden unsere Zeit, unseren Einsatz und unseren Verkaufs-erfolg den behinderten Menschen. In den darauf folgenden Wochen und Monaten waren neben der Erstellung einer grundsätzlichen Vereinbarung mit der WfB noch eine Reihe von Detaillösungen zu erarbeiten. Alles war geprägt von einem gemeinsamen Grundver-ständnis und dem Willen zum Erfolg.

Im September 2006 hieß es dann: „Vorhang auf“! In der Orangerie im Aukammtal wurden den zahlreich erschienenen Lionsfreunden die Details der neuen Kooperation vorgestellt und vor allem die Produktpalette präsentiert. Nikoläuse in groß, mittel und klein, in rot und in blau, diverse Engel, Wichtel, Schneemänner, beleuchtbare Tannen und Elche und natürlich die sich zum Dauerbrenner entwickelnden Vogelhäuser….Nach dem Glamour, nach den Schockfarben der vergangenen Jahre herrschte pure Erleichterung und es war spontan einhellige Meinung: sehr ansehbare, sympathische Produkte, die zu verkaufen Freude bereitet.

So war es dann auch: Das Einsatztableau für die Mit-glieder war – wie immer im Club – sehr zügig gefüllt, die verkäuferischen Talente lebten wieder auf, die WfB musste unzählige Male nachliefern… Und mit jeder Nachlieferung kam die Nachricht aus den Werkstätten, dass die behinderten Mitarbeiter, ob Schreiner, ob Lackierer stolz darauf sind, welch guten Anklang ihre Artikel finden.

Der Versuch im ersten Jahr war gelungen, der Rest ist kurz berichtet: In den ersten vier Jahren haben wir für die behinderten Menschen weit über 60.000,- € erlöst, und aus meiner Sicht bleibt schlussendlich zu hoffen, dass wir noch lange mit dieser sympathischen Koope-ration in der Erfolgsspur bleiben.

 

Quelle: 25-Jahr Festschrift Lions Club Wiesbaden Drei Lilien, Andreas Kleinau, Dr. Klaus Dreher.

 

Wie jedes Jahr bauen die Mitglieder des Lions-Clubs-Drei-Lilien den Weihnachtsstand mit seinen nicht verkauften Artikeln wieder ab. (Bild 2016)